Reiten ohne Gebiss - Teil II von Jürgen Bauer

Forschungen ergaben, Zäumungen mit Gebiss können Pferden auch ohne reiterliche Einwirkung Schaden, da durch den Druck auf die Zunge natürliche Reflexe ausgelöst werden, die normalerweise zur Nahrungsaufnahme dienen. Hohe Speichelproduktion, Veränderung des Gaumens und Aktivität des Magen-Darm-Trakts korrelieren unter anderem mit den körperlichen Anforderungen für Muskelaktivität und erhöhtem Sauerstoffbedarf bei der täglichen Arbeit. Dadurch entsteht nicht nur weniger Leistungsfähigkeit des Pferdes sondern können Atemprobleme und damit verbundener psychischer Stress verursacht werden.

 

Desweiteren ist im Pferdemaul kein ausreichender Platz für ein Gebiss. Das Pferd erträgt einen ständigen Druck auf einem seiner empfindlichsten Organe, der Zunge, oder auch im Gaumen. Das ist nicht nur unangenehm sondern zusätzlich zu dem o.g. Beispiel unserer Meinung nach einfach Sinn frei. Weshalb sollte ein Pferd ständig ein Signal erfahren, wenn es doch auf minimale Hilfen reagieren soll? Um sich von diesem ständigen Druck zu unterscheiden, müsste der Druck einer Zügelhilfe, immer noch höher sein, als der ohnehin schon unangenehme Einfluss des ruhendem Gebiss im Pferdemaul. Dadurch wird ein „feines Reiten“ ausgeschlossen. Dies sind nur zwei Beispiele (der offensichtliche Missbrauch dieser "wirksamen Waffe" im Pferdemaul noch nicht einmal mit einbezogen). Eine Liste mit negativen Beispielen ließe sich sicher um unzählige Erklärungen verlängern.

 

Das Problem, weshalb es nicht einfach als "vernünftiger" angesehen wird, mit Zäumungen wie beispielsweise einer Natural Hackamore, einem Sidepull oder einem Bosal zu reiten, sind einfach eine Menge Vorurteile gegen die gebisslose Reiterei. Viele Menschen verbinden das gebisslose Reiten mit Gefahr. "Was ist wenn das Pferd durchgeht, wie soll es aufgehalten werden?". Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Hat das Pferd nicht ausreichend Vertrauen zu dem Reiter, wird es ohnehin auch mit Gebiss im Maul nicht aufzuhalten sein, wenn es sich wirklich aus einer Gefahr retten möchte. Schmerz im Maul verschlimmert diese Situation womöglich noch. Wird einem Pferd mit gebissloser Zäumung beispielsweise wie im Natural Horsemanship (das „Flexen“) gelehrt, wie es anhalten soll, wird das gebisslose Reiten nicht zur Gefahr. Weshalb sollten sonst mittlerweile sogar zahlreiche Versicherungen Schadensbegleichung einwilligen, auch wenn der Reiter bei einem eventuellen Unfall keine Zäumung mit Gebiss verwendet hat?

 Ein weiteres Vorurteil der gebisslosen Reiterei ist z.B, dass es unmöglich sei ein Pferd ohne Gebiss in Anlehnung zu reiten, damit es sich korrekt und "gesund" bewegen könne. Wie schaffen es dann Vorbilder des Natural Horsemanships wie; Phil Johnson, Honza Blahá, Pat Parelli , Monty Roberts  und viele weitere ohne jegliche Hilfsmittel ein Pferd in korrekter Aufrichtung zu piaffieren, und das sogar schöner als ein weltberühmter Totilas, der seinen Job mit einer Kandarre erledigen muss? Es funktioniert!!!!