"Reiten mit oder ohne Gebiss“! by Jürgen Bauer

Ein kleiner Erfahrungsbericht zum Thema „Reiten mit oder ohne Gebiss“! (nehmt euch doch bitte ein wenig Zeit dies zu lesen) Ich war seit den Anfängen (seit 19 Jahren) meiner Reiterei ein Verfechter des Reitens mit Gebiss. Warum? Keine Ahnung! Ich hatte zwar schon mal ein Pferd, das gebisslos geritten werden sollte (Rai Reiten ausgebildet), habe es aber auf Grund von Unwissenheit der Technik des gebisslosen Reitens wieder auf Gebiss umgestellt. Dies hat das Verhalten des Pferdes eindeutig veränderte. Aus einem ruhigen, ausgeglichenen Pferd wurde ein nervöser Gebissbeisser. Vor einiger Zeit habe ich Phil Philip Johnson kennengelernt. Er überzeugte mich, meine Jungen Pferde von Ihm gebisslos nach der Natural Horsemanship Methode ausbilden zu lassen. Ich blieb skeptisch sagte aber dennoch zu!!! Er hat die Pferde mit einem Bosal ausgebildet und reitet sie jetzt mit einem Sidepull. Mir blieb immer die Frage: „Was passiert, wenn die Pferde im Gelände den Affen spielen?“ Einfach am Zügel ziehen und mit dem Gebiss im Maul einwirken ist ja nicht mehr. Hmm??? Wird schon werden!!! Phil gab uns ein Werkzeug an die Hand, die das Pferd, obwohl ohne Gebiss geritten, im Gelände jederzeit kontrollierbar macht. Das FLEXEN! (Einfach "Pferd Flexen" bei YouTube eingeben) Diese „Notbremse“ hat er den Pferden im Laufe der Ausbildung beigebracht. Sie erlernten es leicht und ohne Probleme. Das Flexen bedeutet für das Pferd Sicherheit und Ruhe. Auch in gefährlichen Situationen weiß es sich in dieser Stellung zu entspannen und dem Reiter zu vertrauen. Jetzt, nach einiger Zeit der Ausbildung meiner Pferde, ist es endlich so weit. Wir gehen raus ins Gelände zum Eingewöhnungsreiten. Klar kann sich jeder vorstellen, dass es jetzt Situationen gibt, wo das Pferd hinter jedem Grashalm Gespenster sieht. Auch Situationen wo es scheut und losrennen will sind jetzt normal. Mit Gebiss hätte ich mir wirklich Gedanken gemacht in solchen Situationen doch mit meiner Notbremse dem Flexen ist das kein Problem für alle Beteiligten. Das Pferd lernt, sich auch in Situationen, die ihren Fluchtinstinkt auslösen, zu entspannen und ich habe die volle Kontrolle über das Pferd. Wir (ich und das Pferd) lernten uns aufeinander zu verlassen! Jetzt kam es zu einem Beeindruckenden schwarz-weiß Erlebnis. Da ich noch ein Pferd im Stall stehen habe, welches ich in letzter Zeit, bedingt durch die Ausbildung meiner Jungpferde, weniger bewegt wurde, habe ich mich entschlossen diesem auch mal wieder einen schönen Sonntag-Vormittags-Ausritt schenken. Es handelt sich um einen 18 Jährigen Paint Wallach, Reining ausgebildet (und das nicht schlecht), komplett unerschrocken und ruhig. Jedoch, nach der längeren Standzeit, etwas unruhig und voller Tatendrang. Dieser Tatendrang in Verbindung mit dem Gebiss im Maul wurde für mich sprichwörtlich ein Ritt auf der Kanonenkugel. Bei diesem Ritt war alles dabei: Bewegungsdrang, eigenständige Richtungsänderungen, nach vorne ziehen mit dem Kopf, Entzug der Kontrolle beim Bremsen durch hochreißen des Kopfes, leichtes steigen und bocken. Diese „Symptome“ wurden auf dem Heimweg (wie könnte es auch anders sein) noch schlimmer. Durch das Gebiss im Maul habe ich null Kontrolle gehabt. Bei zu viel Anzug am Zügel war Steigen angesagt, bei zu wenig „Bremse“ am Zügel gab es unkontrollierte Geschwindigkeit. So habe ich also meine Kanonenkugel heimgeflogen. Zu Hause angekommen ist mir der letzte, entspannte Ausritt mit meinem Jungpferd „Apacs“ in den Kopf gekommen. Mit Ihm hätte ich in so einer Situation meine Notbremse, das „FLEXEN“, durchgeführt. Ich hätte ihn stehen lassen bis er wieder klar im Kopf wird und wäre dann ruhig und gehorsam weitergeritten. Mein Fazit zum Gebiss: Ich habe keinen logischen Grund gefunden wieso ich mein Pferd mit Gebiss reiten sollte. Ich habe keine Turnierambitionen und weitere Gründe fallen mir sowieso nicht ein (ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren Kommentare erwünscht!!!). Also wird unser 18 Jähriger Paint jetzt auch noch auf das Sidepull umgestellt. Für ein entspanntes Pferd und einen noch mehr entspannten Reiter! P.s. Ich möchte an dieser Stelle noch ein kleines bisschen Werbung für einen guten Freund machen. Dieser Freund hat mir diese Einsicht und dieses Verständnis für den „Partner Pferd“ gegeben. Solltet auch ihr euch für eine Gebisslose Reitweise entscheiden, Phil Johnson Horsemanship & Bucking Bulls steht euch bestimmt mit Rat und Tat zur Verfügung und ist euch bestimmt behilflich! Es ist nie zu spät! Many happy trails, Jürgen Bauer

Source: https://www.facebook.com/notes/phil-johnso...